Mit Sport aus der Depression (Teil 1)

Mit Sport aus der Depression (Teil 1)

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Alles scheiße …

Zunächst einmal muss man sagen, dass viele Menschen sich selbst eine Depression attestieren, ohne jemals einen Arzt besucht zu haben. Das passiert häufig, weil unsere ganze Generation voll von Menschen ist, die mit schlechter Laune durch das Leben laufen und vielleicht fünf Minuten am Tag die Mundwinkel hochziehen, um zu lächeln. In den Augen der meisten Menschen ist alles scheiße. Die Arbeit ist scheiße, die Familie ist scheiße, wir haben keine Freizeit und auch kein Geld. Diese Sprüche hört man fast täglich von jedem und sind die Standardthemen neben dem schlechten Wetter oder dem Chef, der einen ungerecht behandelt. Jedenfalls haben wir mittlerweile so etwas wie eine „Generation Depression“. Haben wirklich alle eine Depression? Natürlich nicht, denn eine Depression ist eine Krankheit, die durch traumatische Erlebnisse im Leben hervorgerufen wird.

Ich selber leide seit vielen Jahren unter posttraumatischen Belastungsstörungen und einer sozialen Phobie. Was die meisten Menschen verspüren und mit einer Depression verwechseln, ist häufig einfach der triste, traurige Alltag, der ihnen in den Knochen steckt und das Hamsterrad, in dem sie sich befinden. Bei einer echten Depression hingegen, treten Angstzustände oder Panikattacken auf, die nicht mit rationalen Mitteln zu erklären sind.

Ich selber nehme jeden Morgen 100 mg Sertralin und zum Schlafen bei Bedarf 25-50 mg Atarax. Ihr solltet die Medikamente lieber nicht googeln, denn die Nebenwirkungen sind teilweise tödlich oder stark gesundheitsgefährdend. Ich nehme solche Tabletten natürlich nicht zum Spaß, sondern weil ich krank bin und so ein normales Leben führen kann, wie jeder andere Mensch auch. Nun kann ich endlich im Supermarkt an der Kasse meinen Einkauf bezahlen, ohne schweißgebadet vor Angst aus dem Laden zu rennen. Ich kriege keine plötzlichen Todesängste, wenn ich im Park spazieren gehe und rufe panisch den Notruf an. Ihr könnt mir glauben, dass ich dafür extrem dankbar bin.

Drogen bis zum Gehtnichtmehr

Ich habe viele Jahre so gelebt und erst mit Anfang 20 sind diese Symptome wirklich unerträglich geworden. Zwar war ich vorher schon immer etwas unzufrieden mit meinem Leben, aber es war auszuhalten. Ich habe einfach nur die richtige Menge Alkohol und Drogen gebraucht und schon konnte ich mich auf die Schule oder die Arbeit konzentrieren. Also lebte ich in einem ständigen Rauschzustand. Immer von einem Termin zum nächsten und immer die gleichen Routinen. Das innere Angstgefühl musste betäubt werden und schon konnte ich wieder in meinen Tag starten. Das ging so lange gut, bis ich selbst mit Drogen und Alkohol meine Angstgefühle nicht mehr betäuben konnte.

Also bin ich zur Suchtberatung und schließlich in die Suchtambulanz, um mich selbst in eine Psychiatrie einzuweisen. Ich fing an diese Medikamente zu nehmen, die meinen Zustand sogar verschlimmerten. Nun saß ich also da, abends auf meinem Bett und hatte ein paar Tage nicht geschlafen. Ich war seit ein paar Wochen clean und habe gerade mit meiner medikamentösen Behandlung angefangen.
Da kam mir dieser Gedanke: „Alles macht keinen Sinn mehr. Du schaffst es sowieso nicht. Dieses Gefühl wird bis an dein Lebensende bleiben und du wirst niemals glücklich.“ Ich habe mir überlegt, die Tabletten wegzuwerfen und aus dem Fenster zu springen, weil ich keinen Sinn mehr gesehen habe.

Die Kurve kriegen

Stattdessen habe ich mich aufgerafft und mir gedacht: „Was hast du noch zu verlieren?“ Und dann habe ich die Tabletten genommen. Die nächsten Tage bin ich jeden Tag um 6:00 Uhr aufgestanden. Völlig egal, ob ich viel, wenig oder gar nicht geschlafen hatte. Ich bin raus vor die Tür und bin gelaufen. Ich bin so weit gelaufen, wie meine Beine mich tragen konnten. Jeden Morgen bin ich auf einen Berg gelaufen, der in der Nähe meiner Wohnung war, in der ich damals gewohnt habe. Oben angekommen habe ich meine ganze Wut auf mich selbst und die Welt nach draußen geschrien. Danach bin ich runtergelaufen, habe geduscht, mich angezogen und bin zur Uni gefahren. Bald schon fing ich wieder an, zum Kampfsport zu gehen. Ich hatte früher immer sehr viel Spaß daran und habe mein altes Hobby wieder aufgenommen. Dabei habe ich so viele Schläge eingesteckt und ständig blaue Augen und Verletzungen gehabt, aber ich habe mich jedes Mal ein kleines Bisschen lebendiger gefühlt. Ich fing an, abends wieder vernünftig zu schlafen und regelmäßig zu essen.

Heute noch, denke ich gerne an die Zeit zurück und sie bereitet mir eine Gänsehaut, weil ich nun weiß, dass ich alles schaffen kann, was ich will. Ich habe den Kampf gegen mich selbst gewonnen und deshalb kann mich nichts in der Welt aufhalten.
Genauso wenig kann dich etwas aufhalten. Wir tragen alle diese Kraft in uns und müssen sie nur aktivieren, indem wir hart genug fallen.

Dein Marci

Bilder: unsplash.com

5 Antworten auf „Mit Sport aus der Depression (Teil 1)“

  1. Sehr schöner Artikel! Bevor ich weiter drauf eingehe, möchte ich kurz „anprangern“, dass eine Depression nicht nur durch traumatische Erlebnisse entsteht. Jeder Mensch kann sich selbst in eine schwere Depression ziehen, wenn er genug Zeit in negative Glaubenssätze investiert.

    Psychische Erkrankungen haben sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Und das sicherlich nicht aufgrund von mehr Traumata. Meiner Meinung nach ist eine psychische Erkrankung in den meisten Fällen die letzte Bastion des Körpers, der dir sagen will: Ey! Du führst ein so unnatürliches Leben, dass kann niemand auf Dauer mitmachen.

    Man muss sich doch einfach mal die Norm anschauen. Wenig bis garkeine Bewegung, auf den Tisch kommen nur Fertigprodukte ohne Nährstoffe, zu wenig frische Luft, zu wenig Sonnenlicht. Wie soll der Mensch (der Teil der Natur ist), noch funktionieren, wenn er sich von allen natürlichen Regeln abwendet? Mir hat dieser Lebensstil 6 Jahre Angststörung mit Panikattacken verschafft. Und ja, man kann da wieder rauskommen, WENN man bereit ist sein Leben auf den Kopf zu stellen.

    Aber diese Erfahrung hast du ja selbst gemacht 😉

    Es freut mich ungemein für dich und viele sollten sich mal eine Scheibe abschneiden. Denn auch wenn viele Leute sagen „das ist eine komplizierte Krankheit“, manchmal braucht es nicht mehr als einen vernünftigen Lebensstil, um wieder auf die Beine zu kommen.

    mfg Andre

    1. Hey Andre,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Natürlich gibt es viele verschiedene Arten von Depressionen und es gibt nicht nur „die eine Depression“. Hervorgerufen wird sowas durch viele verschiedene Faktoren.

      Ich bin Lehrer in Integrationskursen und unterrichte dort Deutsch für Geflüchtete aus allen möglichen Ländern. Da sitzen Leute dazwischen, die sind eines Tages von der Arbeit nach Hause gekommen und haben ihre ganze Familie in einem Trümmerhaufen tot vorgefunden, wo einst deren Haus stand. Das Verwunderliche ist, die sind überglücklich und dankbar, dass sie am Leben sind und haben gar keine Probleme (Natürlich ist das nicht der Regelfall. Es gibt dort auch viele mit posttraumatischen Belastungsstörungen).
      Dann sehe ich auf der anderen Seite einen Bekannten von mir, der fast in Tränen ausbricht wenn er Abends in den Kühlschrank guckt und feststellt, dass er keine Cola mehr hat und nun Wasser trinken muss. Der Typ arbeitet von morgens bis abends und hat Kohle ohne Ende, aber ist völlig am Ende mit den Nerven und unzufrieden mit seinem Leben.

      Wie passt das zusammen? Kann man das überhaupt aufwiegen?
      Nein kann man natürlich nicht.
      Wie wir das Leid in uns selbst empfinden ist individuell. Der eine fühlt es extrem, der andere nimmt es auf die leichte Schulter.

      Ich gebe dir Recht, wir haben kaum noch Kontakt zu unserer Umwelt und sind somit auch kaum noch Teil dieser Umwelt.

      Liebe Grüße und eine schöne Restwoche,
      Marci

  2. Hut ab vor deiner Kurve , Danke das du uns mit deinem Bericht ein Einblick in diese schwere Zeit gabst .

    Tatsächlich urteilen unglaublich viele Menschen man würde an Depressionen leiden . Bei mir selber ist das leider auch der Fall , ich arbeite viel und gebe zu zwischendurch ist mir das auch ab und an alles zuviel aber ich weiss das ich nicht an Depressionen erkrankt bin . Das Leben pendelt und ordnet sich immer wieder neu ein und ich denke bei mir wird sich das auch wieder regeln.
    Unglaublich schwer in so einer Situation positiv zu bleiben wenn man ständig und nahezu von jedem gesagt bekommt das man krank ist

    Mach weiter so Marci

    Liebe Grüsse
    Katharina

    1. Hey Katharina,
      sorry für die späte Antwort. Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar. Ich werde auch noch weiter über das Thema schreiben und im Detail darauf eingehen wie das alles passiert ist und wie ich dort gelandet bin. Das Leben ist ein ständiges Auf und Ab und wir vergessen manchmal, dass wir das Leben wirklich lieben müssen. Auch die schlechten Momente sind wunderschön. Mach dir in den schwierigen Zeiten einfach bewusst, dass dein Leben wirklich wirklich toll ist. Mach dir eine schöne Woche.
      Liebe Grüße,
      Marcel

      PS: Nach dem Regen kommt die Sonne.

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